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Die materielle Kultur des frühen Christentums entlang der sog. Seidenstraßen

Die materielle Kultur des frühen Christentums entlang der sog. Seidenstraßen

Laufzeit: seit November 2018

Leitung: Prof. Dr. Ute Verstegen

Mitarbeiter: Dr. des Alexander Tamm­­­­

Mittel: bmb+f und FAU

 

Projektbeschreibung:

Die materielle Kultur des frühen Christentums außerhalb der Grenzen des Römischen Reiches ist bislang nur selten Gegenstand von Untersuchungen. Während Handel und die Einbindung christlicher Gemeinden in den Handel entlang der Seidenstraßen aus den Fachperspektiven der Kunstgeschichte und der Philologien schon verschiedentlich untersucht wurden, fällt bei einer Beschäftigung mit der Thematik schnell auf, dass archäologische Untersuchungen gerade im deutschsprachigen Raum selten sind. Dies ist vor allem auf die teilweise eng gesteckten Fächergrenzen im deutschen Wissenschaftssystem zurückzuführen. So orientieren sich die Christliche Archäologie ebenso wie die Klassische Archäologie traditionell noch häufig an den ehemaligen Grenzen des Römischen Reiches bzw. dem Mittelmeerraum, während Regionen östlich davon nur marginal behandelt werden. Für die Vorderasiatische und die Islamische Archäologie hingegen sind neben geographischen vor allem zeitliche Grenzen von Relevanz. Hier werden das Ende des achaimenidischen Reiches bzw. die Ausbreitung des Islam als chronologischer End- bzw. Anfangspunkt gesetzt. Die Reiche der Parther und Sasaniden fallen meist aus dem Betrachtungsrahmen beider Fächer.

Ziel des Projekts zur materiellen Kultur des frühen Christentums entlang der sog. Seidenstraßen ist es, diese Lücke auf archäologischer Basis zu schließen und die Ausbreitung des Christentums über das Mediterraneum hinaus im Osten zu erforschen. Vor allem in den sasanidisch dominierten Gebieten Vorderasiens – Irak, Iran und angrenzende Regionen wie im Kaukasus – finden sich zahlreiche Funde und Befunde, die ein Erstarken der christlichen Religion in der Spätantike belegen. Aus der schriftlichen Überlieferung ist bekannt, dass diese historischen Zeugnisse verschiedene Ausprägungen christlicher Religionsgemeinschaften betreffen, unter denen die sog. Kirche des Ostens die wichtigste Rolle spielt. Im Befundspektrum hervorzuheben sind Kirchen und Klöster, die während der spätsasanidischen Zeit errichtet und häufig noch in frühislamischer Zeit genutzt wurden; diese können als Nachweis der Existenz größerer Gemeinden bzw. mönchischer Praxis gelten. Daneben finden sich in zahlreichen Ausgrabungen Objekte, die mit christlichen Symbolen verziert sind – bspw. Gefäße oder Siegel –, die oft aufgrund ihres einfachen und alltäglichen Charakters kaum wahrgenommen werden, aber dennoch nicht weniger wichtig für die Rekonstruktion der Ausbreitung christlicher Gemeinden sind. In östlicher Richtung – über Zentralasien bis hin nach China – lässt der christliche Einfluss zwar langsam nach, aber auch hier finden sich zahlreiche Funde und Befunde, die eine Verbreitung belegen.

Die Ausdehnung christlicher Kultur wurde stark begünstigt durch den Handel entlang der Seidenstraßen. Gerade für das sasanidische Reich wurde auf Basis philologischer Forschungen eine verstärkte Einbindung christlicher Gemeinden in den Handel postuliert, die sich wahrscheinlich auf ein weniger gutes Ansehen des Händlerberufes gegenüber anderen Tätigkeitsgruppen – Priesterschaft, Militär und Landwirtschaft – im zoroastrischen Glauben zurückführen lässt. Bedingt durch die starke Integration von Christen im Handel innerhalb des sasanidischen Reiches, konnte es auch zu einer stärkeren Ausbreitung in östlicher Richtung kommen. Eng damit verbunden ist auch die Frage nach der Einflussnahme sasanidischer staatlicher Institutionen. So lässt sich besonders in spätsasanidischer Zeit in einigen Gebieten eine verstärkte Bautätigkeit feststellen, die unter anderem mit der Sicherung von Handelsrouten und dem Abschöpfen von Steuern in Verbindung zu bringen ist. Das sicher nicht erst in dieser Zeit entstandene Wegenetz kann schon als rudimentärer Vorläufer des aus islamischer Zeit deutlich besser bekannten Netzes von Karawansereien gedeutet werden. Für die islamische Zeit wird vermutet, dass Kirchen und Klöster im Persischen Golf eine wichtige Rolle im Granat- und Perlenhandel zukam, so dass nicht nur der Handel auf dem Landweg, sondern auch zur See mit christlichen Akteursgruppen in Verbindung zu bringen ist. Von Bedeutung ist auch das Pilgerwesen, denn neben den Wallfahrtsorten in der eigenen Region war auch für Pilger aus der Kirche des Ostens ebenso wie aus Armenien und Georgien das Heilige Land ein wichtiges Wallfahrtsziel.

Publikationen

  • Verstegen, Ute: „Pilgrim Ampulla of the Egyptian Saint Menas from Samarkand“, in: Die Geschichte der Frühchristlichen und Byzantinischen Kunst in 100 alternativen Objekten (Arbeitstitel, erscheint in englischer Sprache bei Thames & Hudson), hrsg. v. Fabian Stroth (zum Druck abgegeben, 2016).
  • Verstegen, Ute: „Christliche Archäologie – quo vadis? Perspektiven transdisziplinärer Forschung in gewandelten Bezugssystemen“, in: Jörg Drauschke/Roland Prien (Hrsg.): „Quo vadis, Frühgeschichtliche Archäologie? Aktuelle Standpunkte und Perspektiven (zum Druck abgegeben, 2016; erscheint als Bd. 9 in der Reihe „Studien zu Spätantike und Frühmittelalter“).

Vorträge

  • Verstegen, Ute: Frankfurt, 23.10.2018: „Zur materiellen Kultur des Frühchristentums östlich der Grenzen des Römischen Reiches“ (Archäologisches Kolloquium und Leibniz-Kolloquium, Universität Frankfurt).
  • Verstegen, Ute: Utrecht, 2.7. 2018: „Archäologische Zeugnisse der “Kirche des Ostens” – Forschungsstand und Forschungsfragen“ (XVII. CIAC – Internationaler Kongress für Christliche Archäologie, Vortrag in englischer Sprache).