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Schloss Colmberg in der NS-Zeit

Schloss Colmberg als NS-Beutekunst-Depot

Laufzeit: seit 1.6.2017

Leitung: Prof. Dr. Ute Verstegen

Mitarbeiter/innen: Maike Rahe; Falk Nicol M.A.

Mittel: BAYHOST-Mobilitätsstipendium; Eigenmittel

 

Projektbeschreibung:

Schloss Colmberg in der Nähe von Ansbach (Mittelfranken) diente während des Zweiten Weltkrieges als Depot von geraubtem Kulturgut. Die heute als Hotel genutzte, bis ins 12. Jahrhundert zurückreichende Burganlage befand sich von 1927 bis 1964 im Besitz des deutschen Diplomaten Ernst Arthur Voretzsch. Als Schlossverwalter war sein Neffe Ernst Adalbert Voretzsch tätig, der Ev. Theologie und Archäologie studierte hatte und 1961 zum Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte in Erlangen berufen wurde. Von Ernst Adalbert Voretzsch ist ein umfangreiches Verzeichnis der auf Colmberg gelagerten Kulturgüter erhalten, die vorrangig aus der Sowjetunion (z. B. aus Nowgorod und Pskow) stammten, darunter eine Vielzahl von Gemälden mit christlichen Inhalten und Ausstattungsstücke aus Kirchenräumen.

1945 wurden 25 LKW-Ladungen mit Kulturgut aus Colmberg zunächst in den Central Collecting Point nach München verbracht, 1946 dann eine große Anzahl der Werke von der US-amerikanischen Besatzungsmacht an die Sowjetunion restituiert. Einen Sonderfall bildete der sog. Klosterschatz aus dem Petschorsker Mariä-Entschlafen-Kloster, der wegen eigentumsrechtlicher Unklarheiten zunächst im Ikonenmuseum Recklinghausen verwahrt blieb und erst 1973 zurück nach Petschory kam.

Maike Rahe hat in ihrer Masterarbeit die Rolle von Schloss Colmberg als Aufbewahrungsort von Raubgut religiöser Funktion sowie die komplexen Mechanismen bei Raub, Deponierung und Rückgabe des Kulturgutes untersucht. Wichtigste Quellen sind Inventar- und Restitutionslisten.

Im Rahmen des Projekts konnte eine Forschungsreise nach Russland durchgeführt werden mit dem Ziel, exemplarisch einige religiöse Kunstwerke in Kirchen, Klöstern und Museen in Weliki Nowgorod und Pskow zu identifizieren, die im Zweiten Weltkrieg nach Colmberg verbracht worden waren. Durch das freundliche Entgegenkommen der Kuratorin der Ikonensammlung des Nowgoroder Museums, Julia Komarova, war eine Abstimmung der über die Colmberg-Liste gesammelten Datenbestände mit den Nowgoroder Museumsinventaren möglich.

Literaturhinweise:

  • Heuß, Anja (1995): Der Klosterschatz Petschur. In: Kritische Berichte 23, H. 2, S. 44–51.
  • Lauterbach, Iris (2015): Der Central Collecting Point in München. Kunstschutz, Restitution, Neubeginn. Berlin (Veröffentlichungen des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München, 34).
  • Rahe, Maike (2017): Schloss Colmberg (Lkr. Ansbach) als Aufbewahrungsort für geraubtes Kulturgut religiöser Provenienz in der Zeit des Nationalsozialismus. Masterarbeit Erlangen.

Vorträge

  • Rahe, Maike: Schloss Colmberg als NS-Beutekunst- Depot und die Verbringung des Klosterschatzes aus Petschory. Tagung: Textile Erwerbungen und Sammlungsstrategien europäischer Museen in der NS-Zeit, Deutsches Textilmuseum Krefeld, 8.9.2017.