Ausgrabung und Bauforschung eines spätantiken religiösen Trikonchos in Betiga (Istrien)

Kooperationsprojekt des Lehrstuhls für Christliche Archäologie der FAU und des Arheološki Muzej Istre (AMI)

Laufzeit: ab 05/2026

Projektleitung und wiss. Leitung an der FAU: Dr. Arabella Cortese

Finanzierung Fritz Thyssen Stiftung

Ziel des Projekts ist die Untersuchung des spätantiken religiösen Komplexes Sv. Andreji in Betiga, um die Entwicklung des Gebäudes im Laufe der Jahrhunderte und die mögliche Widmung an den Apostel Andreas zu eruieren bzw. nachzuvollziehen. 
Während der zwei Grabungskampagnen werden zunächst die Wände und die Mosaiken auf der Ausgrabungsfläche freigelegt und gut sichtbar gemacht. Dann wird das entsprechende Areal aufgenommen und eine eigene Analyse des in situ erhaltenen Mauerwerks, der Fußbodenmosaiken und der Inschriften durchgeführt. Schließlich soll eine sorgfältige Untersuchung der Ausstattung (Bauplastik und Bauornamentik) stattfinden, die im Archäologischen Museum von Pula aufbewahrt sind.
Der Einsatz modernster archäologischer Techniken (Laserscanner, Drohnenaufnahmen, 3D-Modelle und -Rekonstruktion des Gebäudes usw.) und Bauornamentik-Analysen ermöglichen eine detaillierte Untersuchung jedes einzelnen Raums des Komplexes. Besondere Aufmerksamkeit wird der Untersuchung des Trikonchos gewidmet, um seine Funktion mit ähnlichen Strukturen in der unmittelbaren Umgebung zu vergleichen.
Das Projekt sieht die Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Museum von Pula und der Fakultät für Ingenieurwissenschaften in Pisa für die Durchführung der Vermessungen vor.

Es ist Teil einer umfassenderen Untersuchung zur Erforschung der Rolle der Apostelkulte in der spätantiken Regio X Venetia et Histria.

Ausgrabung und Bauforschung eines spätantiken religiösen Trikonchos in Betiga (Istrien), (Foto: Archiv Betiga Projekt, Juni 2026), der freigelegte Trikonchos im Luftbild
freigelegter Trikonchos (@ Archiv Betiga Projekt, Juni 2026)

Bericht der 1. Feldforschungskampagne (23.05.–07.06.2026)

Ziel der ersten Feldforschungskampagne in Betiga war es, die Freilegung der Trikonchos-Basilika weiterzuführen, die bereits im Rahmen der Ausgrabungen von Branko Marušič zwischen 1975 und 1977 teilweise durchgeführt worden war.

Gemeinsam mit Studierenden der Archäologischen Wissenschaften der FAU begannen wir in der ersten Woche mit der Säuberung der Innen- und Außenmauern der Basilika sowie der Bereiche hinter dem Trikonchos.

Dabei wurden die beiden Gräber hinter dem Trikonchos, der südlich anschließende Raum sowie der nördliche Bereich freigelegt und dokumentiert; letzterer weist einen Zugang zu bislang nicht ausgegrabenen Räumen im Norden auf.

Ausgrabung und Bauforschung eines spätantiken religiösen Trikonchos in Betiga (Istrien), Freilegung der Mosaiken im Trikonchos, Foto: Arabella Cortese
Freilegung der Mosaiken im Trikonchos (@ Arabella Cortese)

In der zweiten Woche konzentrierten sich die Arbeiten auf die Reinigung der beiden kleinen Apsiden östlich des nördlichen und südlichen Seitenschiffs, auf das Mittelschiff der Basilika sowie auf den Trikonchos selbst.

Besondere Aufmerksamkeit galt der Reliquiennische im Zentrum des Trikonchos sowie den Mosaiken, die in den kommenden Monaten von erfahrenen kroatischen Restauratoren des Archäologischen Museums in Pula restauriert werden sollen.

Darüber hinaus wurde mit der Säuberung eines Teils des Baptisteriums begonnen, die in der nächsten Ausgrabungskampagne fortgesetzt und voraussichtlich abgeschlossen werden kann.

Ausgrabung und Bauforschung eines spätantiken religiösen Trikonchos in Betiga (Istrien), Teil der Mosaiken im Hauptschiff (Foto: Archiv Betiga Projekt, Juni 2026)
Teil der Mosaiken im Hauptschiff (@ Archiv Betiga Projekt, Juni 2026)

Die zahlreichen Ergebnisse der Kampagne sowie die weiterhin offenen Fragen – sowohl zur Kirche selbst als auch zu den nördlich angrenzenden Räumen sowie zum Bereich um Atrium und Narthex – sollen in den kommenden Kampagnen schrittweise geklärt werden.